Aus Pressestimmen und Katalogbeiträgen

POGO

Tiere in der Malerei finden sich gewöhnlich da, wo sie der Mensch auch im realen Leben postiert hat: am Rande, im Hintergrund oder auf dem Teller. Schaf- oder Rinderherden sind Teil romantischer Landschaften, Fasane schöne, aber tote Bestandteile von Still-Leben. Herrlich gemalte Pferde bilden den Sockel für Hochgestellte oder verrenken sich dekorativ in Schlachten; Hündchen im Rokoko-Interieur, zusammengerollte Katzen in der Bauernküche füllen leere Bildecken. Generationen von Malern haben Tiere als Beute und Meute von Jagdgesellschaften zum Motiv gewählt und sich dabei mit der Perspektive der Jäger identifiziert.

Und heute, wo schon die Spatzen die Schändung und Vernichtung der Erde von den Dächern pfeifen und nicht einmal die Ratten das sinkende Schiff verlassen können, bleibt der Blick der Menschen weiterhin in borniertem Selbstmitleid von seinen vornehmsten Opfern abgewandt. Gnadenloser denn je schickt er sie in den Abgrund voran.

POGO wendet den Blick nicht ab. Er kann es nicht. Die Kreuzwegstationen des Pferdes, das ihm in früher Jugend begegnet ist, haben eine Erschütterung bewirkt, die die Barriere der Anthropozentrik durchbrochen hat. Die Tiere sind ihm nicht mehr Objekte. Er sieht sie nicht von außen. Ihr Leid ist sein Leid. Die Abwehr, die seine Bilder vielfach erzeugen, ist die Abwehr des Täters gegen sein Opfer dem er nicht in die Augen schauen will.

Wenn POGO die Tiere vom Rand ins Zentrum stellt, verstört er die Sehgewohnheit ebenso wie die menschliche Weltordnung. Still und hartnäckig verweigert er sich der Relativierung, dass auch Menschen leiden. Wird als bekannt vorausgesetzt. POGO ist einer von denen, die nur malen, was sie malen müssen. Was ihn zwingt und treibt sind die Opfer, die Paria des Menschengeschlechts. Die Täter sind anonymisiert – eine Hand, eine Krawatte, ein gesichtsloses Monster im Schutzanzug. Die aber, die das Monster aus seiner Wahrnehmung ausgeblendet hat, sie sind es, die uns anschauen. Die geschundenen Leiber haben Augen. „Schlachtvieh“ ist nicht länger anonym, es ist die Kuh, die dich anschaut. Der Gorilla im Zuchthaus Zoo, der Delphin im Netz, die Ratte im Versuch, sie haben Augen und schauen dich an.

Als Künstler gibt POGO den Tieren den Ausdruck mit Mitteln unserer Zeit. Ebenso fern von Sentimentalität wie von versteinerter Gefühllosigkeit. Mit kaltem Acryl, mit scheinbar fotorealistischer Genauigkeit, mit perfekter Technik gestaltet er seine Bilder, in deren Focus die Tiere stehen, entfremdet in der Mördergrube, die einmal die Welt war.                                                                        Sina Walden                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     

...Mit fotorealistischer Genauigkeit und wissenschaftlicher Exaktheit stellt POGO hingegen Tiere in den Mittelpunkt seiner Bilder und assoziiert sie gleichzeitig zeit- und sozialkritisch in ihrem Dialog und der oft harten Wechselbeziehung zum Menschen. Er ist ein Tiermaler par excellence, der über Tiere mit den Augen des „Liebhabers“ und Künstlers spricht.

...Einer, der sich auf künstlerischer Basis zum Anwalt der Tiere gemacht hat, ist der Berliner Maler POGO...

...Der Blick des Betrachters fällt regelmäßig mit konditioniert liebevoll-entspannter Haltung auf das dargestellte, eher porträtierte Tier. Tierkalender, Tierfotografien – so die flüchtige Assoziation, die sich jedoch sofort durch die Konfrontation mit dem Geschehen, dem das Tier ausgeliefert ist, verändert. Der flüchtige Blick wird gebannt, die Haltung gespannt, der Betrachter gefordert Stellung zu beziehen. Die präzisen Darstellungen verhindern Unbeteiligtsein und Distanzierung. Dies gelingt POGO durch Bildaufbau und Zuordnung des Dargestellten zu Raum und Gegenständen...

...Für den von uns, der sehen kann, gewährt der Künstler POGO über den AUGENBLICK hinaus in seiner hier erstmals gezeigten Galerie unserer Ahnen einen tiefen Einblick nicht nur in die höchst individuelle Physiognomie unserer Art- und (Noch-Zeit)-Genossen, sondern auch in die Ursprünge und Wurzeln unserer Existenz. Höchst unterschiedliche Charaktere werden hier lebendig. Aber auch uns allen vertraute Seelenzustände, Gefühle  und Verhaltensweisen wie unbefangene Natürlichkeit, Souveränität, Stolz und Würde lassen sich in der sensibel nuancierten, subtilen Bildsprache des Künstlers  ebenso ablesen wie Ängste, Traurigkeit, Verstört- und Verklemmtheit, Hoffnungen und Mutlosigkeit...
(Winfried A. Langschied im Katalog zur Ausstellung „Ahnengalerie – Primaten“, Eternit AG